Schule oder Kindergarten in Modulbauweise –
Möglichkeiten, Nutzen und Sinn.

Michael Penning ist Vertriebsleiter der Modulbausparte bei CHRISTMANN + PFEIFER. Schon seit vielen Jahren begleitet und beobachtet der diplomierte Architekt den Markt für modulares Bauen und die damit einhergehenden Trends und Entwicklungen. Gerade im Bereich des Bildungsbaus eröffnet die modulare Bauweise aus seiner Sicht viele Möglichkeiten. Warum das so ist, erläutert er im Interview.


Man hört es immer wieder: Im Bildungswesen gibt es große bauliche Herausforderungen. Welche sind das konkret und was sind die Gründe?

Vor einiger Zeit kursierte eine beeindruckende Zahl in den Medien: In Deutschland fehlen 342.000 Kitaplätze… und das allein für die Betreuung der unter Dreijährigen! Zur Verdeutlichung: hoch- bzw. umgerechnet entspricht das einer Fläche von ca. 2.137.500 Quadratmetern. Das wiederum wären dann knapp 300 Bundesliga-Fußballfelder. Da sprechen wir von einem Bauvolumen von über 4 Mrd. Euro nur für die U3-Betreuung – die Ü3-Kinder sind da noch gar nicht erfasst.

Das Zahlenspiel zeigt eindrucksvoll: Betreuungsplätze werden dringend benötigt! Damit müsste Kita bauen fast schon zu einem Trend werden…

Bei Schulen ist vermehrt ein Sanierungs- bzw. Reparaturstau zu beobachten. Viele alte, zum Teil noch grundsolide Gebäude vermögen nicht den aktuellen Stand der Technik hinsichtlich Energieeinsparung oder auch Lüftung zu erreichen. Und gerade das Thema Lüftung war ja aufgrund der Pandemie zuletzt in aller Munde, wobei sich die bestehenden Defizite mitunter sehr deutlich gezeigt haben.

Hinzu kommt der unplanbare Faktor der schwankenden Schülerzahlen. Geburtenstarke und geburtenschwache Jahrgänge wechseln stetig, auch die Zuwanderung beeinflusst Schülerzahlen und hinsichtlich der Wahl der Schulform (Gymnasium, Realschule, Gesamtschule etc.) besteht kaum eine Möglichkeit der verlässlichen Planung. Dazu kommen oftmals fehlende Räumlichkeiten für die Ganztagesbetreuung und die Umsetzung neuer pädagogischer Konzepte.

Wer heute eine Schule bauen will, muss anders planen und bauen als noch vor 15 oder 20 Jahren.


Wie kommt die modulare Bauweise hier ins Spiel?

Die modulare Bauweise hat sehr viele Vorteile, sowohl für private Investitionen als auch für die öffentliche Hand. Gerade im Hinblick auf fehlende Betreuungsplätze und schwankende Schülerzahlen möchte ich zuerst die Flexibilität nennen, denn darin liegt einer der entscheidenden Vorteile des Modulbaus.

Die eigentlichen Lasten werden bei einem Modulgebäude durch die Stützen abgetragen. Die Innenwände selbst sind nichttragend und daher versetzbar, ausbaubar oder neue Wände können ohne großen Aufwand eingebaut werden. Versorgungsleitungen führen wir durch die abgehängte Deckenkonstruktion und sind damit bestens für sich ändernde Anforderungen gerüstet. Somit kann die Nutzung variieren und Betreuungsflächen neu gestaltet werden. Vielleicht heute einen Kindergarten bauen, morgen in eine Schule wandeln und zukünftig als Pflegeheim nutzen? Machbar ist das.

Dazu kommt die Schnelligkeit: Im Modulbau sind wir bis zu 70 % schneller als bei der konventionellen Bauweise. Noch zügiger lassen sich eine Schule oder ein Kindergarten kaum bauen.

Modulbau ist außerdem emissionsarm. Gerade im Schulbau, aber auch für den Kitabau ein wichtiger Aspekt! Unsere Module werden im Werk vorgefertigt, auf das Grundstück geliefert und dort fertiggestellt. Nur die Aufstellung der Module verursacht Lärm und Beeinträchtigung und das kann beispielweise für die Ferienzeit geplant werden. Ausbau und Fertigstellung können dann auch während der Unterrichtszeit stattfinden. Innerhalb eines Schulhalbjahres ist ein neues Schulgebäude in der Regel fertiggestellt. CHRISTMANN + PFEIFER bietet dabei alle Leistungen aus einer Hand an. Die Bauherrschaft kann entspannt den Baufortschritt beobachten. Wir liefern termingerecht und zur vertraglich vereinbarten Bausumme.


Im Bildungsbau gelten viele Vorschriften und Regularien, gerade hinsichtlich sicherheitstechnischer oder hygienerelevanter Aspekte. Ist sichergestellt, dass diese Dinge auch bei einem Modulgebäude vollumfänglich Berücksichtigung finden?

Selbstverständlich erfüllen Modulgebäude alle Vorschriften, die für andere Bauweisen auch gelten. Hier gibt es tatsächlich keine Besonderheiten im Vergleich zur konventionellen Bauweise.


Gibt es im Modulbau Einschränkungen hinsichtlich Gebäudegröße (z. B. Anzahl Etagen), Gebäudestruktur oder Raumgrößen?

Ja, die gibt es tatsächlich. Die Höhe des Gebäudes ist limitiert auf die Hochhausgrenze, also nicht höher als 22 Meter. Das entspricht in etwa sechs Geschossen.

Für die Planung eines Bildungsbaus ist ein gutes Raster wertvoll. Die Stützen der übereinanderliegenden Module sollten vertikal in einer Flucht verlaufen. Sehr gern unterstützen wir völlig unverbindlich Architekten, Kommunen und Betreiber in den Planungsprozessen von modularen Gebäuden.

Die modulare Bauweise ist keine Containerbauweise, deshalb muss ein Modulgebäude auch nicht zwangsläufig eine „Schachtel“ sein. Ich als Architekt kann bestätigen: Modulbau arbeitet der Kreativität von Architekten definitiv nicht entgegen!


Hand aufs Herz: Gerade die Schnelligkeit wird beim Modulbau immer wieder als besonderer Vorteil hervorgehoben. Aber wie schnell kann man denn nun wirklich eine Kita bauen (oder eine Schule)?

Nach Erteilung der Baugenehmigung benötigen wir ca. 3 Monate für das Engineering. Wir planen komplett in BIM, generieren so die Gebäudemassen und können dann auch schnell und sicher das Material bestellen. Nach der Planung bauen wir die Module im Werk – und das bei jedem Wetter. Für die Fertigung und den Ausbau vor Ort rechnen wir im Schnitt nochmals mit 3-4 Monaten. Dann übergeben wir die Schlüssel.


Für wen sind Modulbau-Lösungen im Bildungsbau interessant? Für wen baut CHRISTMANN + PFEIFER?

Gern und völlig unverbindlich beraten wir alle Interessenten des Modulbaus.

Das kann beispielsweise hinsichtlich der Grundsatzfrage sein, ob eine Kommune ihre geplante Einrichtung modular oder konventionell bauen möchte. Viele Kommunen bauen natürlich bevorzugt mit ortsansässigen Handwerksbetrieben. Das ist für uns kein Problem, wir berücksichtigen sehr gern ortsansässige Betriebe bei Teilgewerken.

Auch Architekten und Planer informieren wir jederzeit gern und unterstützen sie bei der Planung. Aber auch für freie Bildungsträger, die beispielsweise eine neue Kita bauen wollen, ist das modulare Bauen interessant. Wir sind für alle Konstellationen und Ideen offen und erarbeiten gemeinsam mit unseren Kunden stets die optimale Lösung.