7. Juli 2010
01.07.2010, Gönnern (Gemeinde Angelburg). Das Hilfswerk Global Aid Network (GAiN) e.V. mit Sitz in Gießen engagiert sich langfristig für die Erdbebenopfer in Haiti und hat bereits elf Transporte mit Lebensmitteln und Babynahrung in das Land gebracht. Weitere Hilfslieferungen sind geplant. Um die Zwischenlagerung und Verteilung der Hilfsgüter sicherzustellen, baut GAiN e.V. in Chambrun eine 500 qm große Halle aus Containern, überdacht von einer Stahlkonstruktion. Ge-genwärtig werden die Fundamente und die Bodenplatte vorbereitet. Obwohl es von GAiN gar nicht angedacht war, die Stahlkonstruktion als Spende zu erhalten, hat das Projekt eine erstaunliche Welle an Hilfsbereitschaft ausgelöst. Angefangen hat es mit dem Architekt Edgar Zeiß aus Lich und dem Statiker Erich Zettl aus Gießen, die beide spontan auf ihre Honorare für die Planungsleistung verzichteten. Danach erging eine Anfrage an die Firma Christmann & Pfeifer mit Sitz in Gönnern (bei Gladenbach), ein Angebot für die Lieferung namens „Warenlager für Katastrophenhilfe in Chambrun/Haiti“ auszuarbeiten. Verständlich, dass bei so einem Projekt nicht nur die baulichen Fakten geklärt, sondern auch die Hintergründe ein bisschen näher beleuchtet werden. Dabei wurde dem Bereichsleiter Stahlhochbau von Christmann & Pfeifer, Jürgen Tesch, schnell klar, dass es auch bei Christmann & Pfeifer eine Menge Hilfspotenzial gibt!
Sobald er die Bestimmung der stählernen Dachkonstruktion und die Motivation des „Kunden“ im Unternehmen bekannt gemacht hatte, meldeten sich viele Mitarbeiter, die ebenfalls tatkräftig helfen wollten. So hatten die Mitarbeiter die spontane Idee, das gesamte Projekt in deren Freizeit zu erstellen: Statiker berechnen das Projekt, die Konstrukteure zeichnen und die Mitarbeiter der Fertigung produzieren – jeweils in ihrer Freizeit. Doch dabei blieb es nicht: mittlerweile spenden auch die nicht unmittelbar mit dem Projekt befassten Mitarbeiter von C+P Urlaub, um ebenfalls indirekt Hilfe zu leisten. „Das Tolle an dieser Art von Hilfe ist, dass jeder helfen kann, egal wie viel verdient. Man muss nicht selbst nach Haiti fahren, sondern jeder kann das geben, was er kann, nämlich „der eigenen Hände Arbeit und die eigene Zeit“.“, stellt Fertigungsleiter Daniel Pfeifer dar. Bei dieser Hilfe hat man die Gewissheit: sie kommt wirklich an und das ist auch sichtbar.
Angespornt von diesem Beispiel engagierte sich nun auch die Geschäftsführung und schaffte es, auch Partner und Zulieferfirmen, wie Stahlhändler und Verzinkungsbetriebe, mit ins Boot zu holen. Auch hier mit erstaunlichem Erfolg: Materialien und Verzinkung werden teilweise kostenlos für das Projekt zur Verfügung gestellt, die restlichen Kosten übernimmt Christmann & Pfeifer.
Mittlerweile sind die Zeichnungen fertig und das Rohmaterial ist geliefert. Freitag, 2. Juli wird mit dem Zuschnitt der Stahlteile begonnen, so dass vom 5. bis zum 7. Juli gefertigt werden kann.
Sie werden sich fragen: warum spendet man eine Stahlhalle? Momentan werden die Hilfsgüter nur durch ein Zirkuszelt (!) vor Hitze, Stürmen und Plünderern geschützt. Das ist natürlich keine langfristige Lösung, insbesondere da die Hurrikane-Saison auch schon fast wieder vor der Tür steht. GAiN e.V. weiß zudem, dass es in Haiti trotz der weltweiten Spendenbereitschaft quasi ein Hilfsvakuum herrscht – und das noch 6 Monate nach der eigentlichen Katastrophe: die Hilfsarbeiten verlaufen schleppen, es gibt so gut wie keine offiziellen Stellen mehr, die neue Strukturen installieren können. Daher musste GAiN e.V. nun auch auf diese Weise aktiv werden: es werden Brücken aus Containern gebaut, Räumgerät gekauft und u.a. auch nachhaltig nutzbare Warenlager errichtet. Klaus Dewald von GAiN e.V. freut sich daher doppelt: einmal über diese Welle der Hilfsbereitschaft und zum anderen kann er das Geld, das er nun nicht mehr für eine Stahlhalle ausgeben muss, nun in Waisenhäuser und Schulen stecken.
Am 7. Juli 2010 konnten ca. 30 Mitarbeiter der Firma Christmann & Pfeifer der Hilfsorganisation die fertigen Konstruktionspläne mit samt der kompletten Konstruktion übergeben. Die Halle liegt in handliche Teile aufgeteilt in der Fertigung in Breidenbach – so ist sie gut transportier-bar und kann vor Ort auch ohne schweres Gerät aufgebaut werden. Nächste Woche werden die 15 Tonnen Stahl verzinkt und anschließend in einem Container Richtung Haiti verschifft.
